Verschluss der zentralen Netzhautvene (CRVO)

Foto: Verschluss der zentralen Netzhautvene (CRVO)

Plötzlicher Sehkraftverlust – sofort zum Augenarzt!

Ein Verschluss der zentralen Netzhautvene, oder in der internationalen Abkürzung CRVO, ist ein medizinischer Notfall. Die zentrale Netzhautvene ist das einzige Blutgefäß, das den Blutabfluss aus der Netzhaut sicherstellt. Bei einer Blockade dieses Gefäßes staut sich das Blut zurück, Flüssigkeit sickert aus der Vene in das umgebende Gewebe. Dies kann die Netzhaut und dadurch die Sehkraft schwer schädigen. Typisch ist ein plötzlicher, schmerzloser Verlust der Sehkraft – es gibt aber auch Fälle, wo sich das Leiden langsam über Tage oder Wochen entwickelt.

Es ist außerdem möglich, dass gleichzeitig mit dem Zentralvenenverschluss auch die Blutversorgung der Netzhaut beeinträchtigt wird. Diese Form des CRVO nennt man „ischämisch“, aus dem Griechischen für „blutlos“. In diesen Fällen „hungert“ die Netzhaut so sehr nach Sauerstoff, dass an verschiedenen Orten neue Blutgefäße in der Netzhaut wachsen, um die Blutversorgung irgendwie zu verbessern. Leider befinden sich diese neuen Gefäße oft an ungünstigen Stellen, außerdem sind sie sehr fragil und nicht normal ausgebildet. Dies führt zu einer Reihe von Problemen, darunter manchmal auch zu einer sehr gefährlichen Form des Grünen Stars, durch die der Patient erblinden kann - dem sogenannten neovaskulären Glaukom. Daher gilt die ischämische Form des CRVO als die schwerere.

CRVO: Ursachen und Entwicklung

Die zugrundeliegenden Ursachen für einen Verschluss der zentralen Netzhautvene sind noch nicht vollständig erforscht, aber letztlich tritt eine Blockade des Blutabflusses aus der Netzhaut auf. An der Stelle, wo die zentrale Netzhautarterie ins Auge eintritt und die Vene es verlässt, verlaufen die beiden Blutgefäße parallel zum Sehnerv, der die optischen Signale aus dem Auge ins Gehirn leitet. Alle drei passieren durch eine sehr kleine Öffnung im Schädelknochen. Man nimmt an, dass diese Engstelle, in der es keinen Platz für Ausdehnung gibt, die Bildung von Blutgerinnseln begünstigt.

Verschiedene Ursachen können zu Blutgerinnseln in der Netzhautvene führen: Ein erhöhter Augeninnendruck (Glaukom = Grüner Star), eine durch Arteriosklerose verhärtete zentrale Netzhautarterie, die die weiche und elastische Vene zusammendrückt, eine Schwellung des Sehnervs aufgrund einer Entzündung, Veränderungen der Blutgefäßwand, oder auch Blutgerinnungsstörungen.

Wer bekommt CRVO?

CRVO kann in jedem Alter auftreten, aber die weit überwiegende Mehrheit der Fälle tritt bei Menschen über 50 auf. Männer scheinen etwas häufiger betroffen zu sein als Frauen. Man schätzt, dass über 66.000 Menschen in Europa und mehr als 100.000 Menschen in den USA von CRVO betroffen sind.

Es gibt nach heutigem medizinischem Wissen keine Möglichkeit, einem CRVO sicher vorzubeugen – außer der Behandlung der Krankheiten, die die Bildung von Blutgerinnseln fördern, also Diabetes, hoher Blutdruck und Blutgerinnungsstörungen. Zunehmendes Alter – ein weiterer wichtiger Risikofaktor – ist leider nicht behandelbar.

Wie wird CRVO diagnostiziert?

In allen Fällen eines plötzlichen oder allmählichen Verlustes der Sehkraft muss der Augenarzt den Augenhintergrund betrachten (Augenspiegelung). Der Arzt leuchtet durch die Pupille ins Auge hinein und untersucht die kleinen Blutgefäße an der Netzhaut. Leidet der Patient unter CRVO, dann sieht der Arzt erweiterte, prall mit gestautem Blut gefüllte Venen, die sich stärker winden als normal. Außerdem sind eventuelle Blutungen in die Netzhaut oder Schwellungen durch Flüssigkeitsaustritte erkennbar.

Behandlung des CRVO

Eine Behandlungsmöglichkeit für CRVO ist eine Laser-Therapie, genannt PRP oder panretinale Photokoagulation. Diese Laserbehandlung zerstört die äußeren Teile der Netzhaut und wird nur bei sehr schweren Fällen von ischämischer CRVO angewandt. Die PRP kann einigermaßen zuverlässig die gefürchtete Komplikation des neovaskulären Glaukoms verhindern, aber die Sehkraft des Patienten wird dadurch nicht verbessert.

In den letzten Jahren hat sich noch eine weitere Behandlungsmöglichkeit etabliert: Die Injektion von modernen Medikamenten, den sogenannten VEGF-Blockern, direkt ins Auge. VEGF-Blocker hemmen den körpereigenen Wachstumsfaktor, der das Wachstum der neuen, abnormen Blutgefäße stimuliert. VEGF (vascular endothelial growth factor) fördert das Aussickern von Flüssigkeit aus den neuen Blutgefäßen, und VEGF-Blocker wirken diesem Effekt entgegen. Ein VEGF-Blocker ist in den USA von der dortigen Gesundheitsbehörde FDA zur Behandlung von CRVO zugelassen worden. Die Anti-VEGF-Behandlung kommt ohne Zerstörung von Teilen der Netzhaut aus und kann bei den meisten Patienten sogar einen Teil der verlorenen Sehkraft wieder herstellen.

Neues Medikament für CRVO in der Prüfung

Bayer prüft derzeit ein neues Medikament aus der Gruppe der VEGF-Blocker. Das Medikament wird direkt ins Auge injiziert und ist bereits erfolgreich zur Behandlung einer anderen Form von Netzhauterkrankungen untersucht worden. Bei CRVO hat eine klinische Studie der Phase III ermutigende Ergebnisse gezeigt.

Hinweis für Patienten

Jeder Körper reagiert anders auf Medikamente. Deswegen können wir Ihnen nicht sagen, welches Medikament für Sie das richtige ist. Bitte fragen Sie Ihren Arzt.

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