Schilddrüsenkrebs

Hoffnung bei fortgeschrittenem Schilddrüsenkarzinom

Foto: Schilddrüsenkrebs

Die Schilddrüse – Schrittmacher unseres Stoffwechsels

Die Schilddrüse ist eine hormonproduzierende ('endokrine') Drüse, die geformt ist wie ein Schmetterling. Sie sitzt vorn am Hals vor der Luftröhre und wiegt zwischen 18 und 60 Gramm.

Die Schilddrüse produziert zwei Hormone: Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Diese beiden Hormone regulieren die Aktivität unseres Stoffwechsels. Je mehr Schilddrüsenhormone vorhanden sind, desto schneller laufen die Stoffwechselprozesse ab. Sowohl ein Mangel an Schilddrüsenhormonen als auch eine Überproduktion müssen behandelt werden.

Schilddrüsenhormone: Nicht zuwenig und nicht zuviel

Menschen mit zuwenig Schilddrüsenhormonen (Schilddrüsenunterfunktion oder Hypothyreoidismus) haben einen langsamen, trägen Stoffwechsel. Sie fühlen sich müde und schläfrig, frieren leicht, ihr Herzschlag ist langsam, die Haut trocken und die Haare rau und struppig. Die Patienten nehmen an Gewicht zu und entwickeln Wassereinlagerungen im Körper, manche fühlen sich antriebslos und sogar depressiv. Die meisten Patienten bemerken mehrere dieser Anzeichen, bei einigen sind es jedoch nur ein oder zwei Symptome. Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion ist recht einfach. In den frühen Stadien gibt man Jodtabletten, denn Jod ist der wichtigste Baustein der Schilddrüsenhormone. Reicht dies in späteren Stadien nicht aus, kann man auch die Schilddrüsenhormone direkt als Tabletten geben. Dies muss man lebenslang beibehalten.

Eine überaktive Schilddrüse (Schilddrüsenüberfunktion oder Hyperthyreoidismus) zeigt die entgegengesetzten Anzeichen: Die Patienten haben einen zu schnellen oder sogar unregelmäßigen Herzschlag, sie vertragen keine Wärme und schwitzen sehr leicht, ihre Muskeln sind ständig angespannt und sie bekommen oft Krämpfe. Die Patienten schlafen schlecht, sie haben viel Appetit und verlieren trotzdem Gewicht. Atemnot, Haarausfall, Durchfall, Erregbarkeit und Angstzustände, hoher Blutdruck und Zittern können weitere Anzeichen sein. Auch hier gilt, dass die meisten Patienten mehrere Symptome zeigen. Man behandelt die Schilddrüsenüberfunktion entweder durch Medikamente, die die Hormonproduktion der Schilddrüse unterdrücken, oder man entfernt operativ einen Teil der Schilddrüse. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Schilddrüsegewebe durch Bestrahlung zu zerstören.

Jod: das Schlüsselelement für die Schilddrüse

Die Schilddrüsenhormone enthalten als wesentlichen Bestandteil Jod, ein essentielles Spurenelement, das in unserer Nahrung vorkommt. Die Schilddrüse holt sich das Jod aus dem Blut und verwendet es für die Hormonproduktion. Nehmen wir über lange Zeit zu wenig Jod auf, dann vergrößert sich oft die Schilddrüse – in dem verzweifelten Versuch, jedes Jodatom einzufangen, das zu bekommen ist. Eine solche Schilddrüsenvergrößerung nennt man "Kropf". Ein Jodmangel – mit oder ohne Vergrößerung der Schilddrüse – ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion.

Die Schilddrüse ist das einzige Organ im Körper, das Jod benötigt und es gezielt speichert. Diese Besonderheit lässt sich auch für die Behandlung nutzen. Eine überaktive Schilddrüse kann man 'von innen' bestrahlen, indem man dem Patienten radioaktives Jod als Tablette oder Flüssigkeit verabreicht. Das radioaktive Jod sammelt sich nur in der Schilddrüse in hoher Konzentration an und zerstört durch seine Strahlung die überaktiven Zellen der Schilddrüse.

Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenkrebs ist der häufigste Tumor in den Hormondrüsen. Weltweit treten jedes Jahr etwa 140 000 neue Fälle auf, und diese Krebsart ist eine der wenigen, die derzeit immer häufiger werden. Etwa dreimal so viele Frauen wie Männer erkranken an Schilddrüsenkrebs.

Eine Ursache von Schilddrüsenkrebs scheint ein dauernder Jodmangel zu sein – das Risiko ist in diesen Fällen etwa doppelt so hoch wie normal. Eine weitere wichtige Ursache ist eine Strahlenbelastung mit radioaktivem Jod, besonders wenn diese in der Kindheit erfolgt. Wenn die Strahlendosis zu niedrig ist, um das Gewebe der Schilddrüse vollständig zu zerstören (also wie bei einer medizinischen Gabe von radioaktivem Jod), dann werden die Schilddrüsenzellen geschädigt und können Krebs entwickeln. Nach Nuklearunfällen konnte einige Jahre nach dem Unfall ein Anstieg von Schilddrüsenkrebs in den vom nuklearen Fallout betroffenen Gebieten nachgewiesen werden.

Standard-Behandlung von Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenkrebs zeigt sich meist als tastbarer Knoten in der Schilddrüse. Diese Knoten produzieren keine Schilddrüsenhormone, daher nennt man sie manchmal auch "kalte" Knoten – im Gegensatz zu überaktiven "heißen" Knoten mit heftiger Hormonproduktion.

Es gibt drei großen Gruppen von Schilddrüsenkrebs, eingeteilt nach dem Ursprung der Tumorzellen und dem klinischen Verhalten des Tumors. Sogenannte differenzierte Tumore (papillär oder follikulär) finden sich in etwa 94% aller neu diagnostizierten Fälle. Der medulläre und der anaplastische Typ sind mit 4% bzw. 2% deutlich seltener.

Die Behandlung des Schilddrüsenkrebses unterscheidet sich je nach dem Typ des Tumors, aber fast immer wird die Schilddrüse ganz oder teilweise operativ entfernt. Bei differenziertem Schilddrüsenkrebs kann nach der Operation das noch verbliebene Rest-Gewebe mit einer Radiojodbehandlung zerstört werden.

Studien mit Anti-Krebsmedikament

Bayer untersucht derzeit ein Anti-Krebsmedikament zur Behandlung von Patienten mit differenziertem Schilddrüsenkrebs, der lokal weit fortgeschritten ist oder bereits gestreut hat und bei dem ein Ansprechen auf weitere Radiojodtherapien nicht mehr zu erwarten ist. Das Medikament wird zweimal täglich als Tablette eingenommen. Es ist bereits in mehr als 100 Ländern zur Behandlung von Nieren- und Leberkrebs zugelassen.

Hinweis für Patienten
Jeder Körper reagiert anders auf Medikamente. Deswegen können wir Ihnen nicht sagen, welches Medikament für Sie das richtige ist. Bitte fragen Sie Ihren Arzt.

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