Bayer-Team gewinnt den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten
Der Deutsche Zukunftspreis 2009 des Bundespräsidenten geht an ein Forscher- und Entwicklerteam von Bayer. Das Team nahm in Berlin den Preis für Technik und Innovation aus den Händen von Bundespräsident Horst Köhler entgegen. Die Bayer-Wissenschaftler aus Wuppertal erhielten die hohe Auszeichnung für die Entwicklung des neuen Blut-Gerinnungshemmers Rivaroxaban (Markenname Xarelto®).
"Ich freue mich sehr über diese herausragende Anerkennung für unser Forscherteam. Es zeigt einmal mehr, welch hohen Stellenwert Forschung und Innovationen bei Bayer haben", sagte Werner Wenning, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG. "Der Deutsche Zukunftspreis rückt als höchste deutsche Innovations-Auszeichnung die Wissenschaft in den Fokus. Damit kommen die Chancen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin stärker ins Bewußtsein der Gesellschaft", so Wenning weiter.
Andreas Fibig, Vorstandsvorsitzender der Bayer Schering Pharma AG gratulierte und dankte allen Mitgliedern des Xarelto-Teams: “Dies ist eine einzigartige Auszeichnung, die sie sich verdient haben! Sie bestätigt gleichzeitig die Innovationskraft unseres Unternehmens und dient der Motivation unserer gesamten Organisation,” sagte er.
Die drei Bayer-Forscher haben zusammen mit ihren Teams und zahlreichen Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen einen neuen Wirkstoff zur Prophylaxe und Behandlung von Thromboembolien entwickelt: Rivaroxaban. Thromboembolische Erkrankungen betreffen Jahr für Jahr Millionen von Menschen – oftmals mit tödlichem Ausgang. In der westlichen Welt sterben mehr als doppelt so viele Menschen an Thrombosen als an Brustkrebs, Prostatakrebs, HIV/AIDS und Verkehrsunfällen zusammen.
Rivaroxaban zeichnet sich durch einen neuartigen Wirkmechanismus aus: Der Wirkstoff greift selektiv in den Prozess der Blutgerinnung ein und hemmt in der körpereigenen Blutgerinnungskaskade die Aktivität des Enzyms Faktor Xa, das zur Entstehung von Thrombosen beiträgt. Gegenüber den bisherigen Standardtherapien bietet die Neuentwicklung Vorteile für Patienten und Ärzte: Rivaroxaban hat sich in Studien bei der Verhinderung von venösen Thromboembolien nach elektiven Hüft- und Kniegelenkersatzoperationen bei erwachsenen Patienten als besonders wirksam gezeigt. Zudem wird Rivaroxaban als Tablette verabreicht – es muss keine Spritze gegeben werden wie bei derzeitigen Standardtherapien üblich. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) hatte das Projektteam um Rivaroxaban für den Deutschen Zukunftspreis vorgeschlagen.
Über thromboembolische Erkrankungen
Thrombosen können sich von dem Ort lösen, an dem sie sich gebildet haben, und werden dann vom Blutstrom durch den Körper transportiert, so dass sie die Blutversorgung lebenswichtiger Organe blockieren können. Zu den VTE (venösen Thromboembolien) gehören die tiefe Venenthrombose, ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene (normalerweise im Bein), und die Lungenembolie, ein Gerinnsel in der Lunge. Beides sind ernste Erkrankungen. Die Lungenembolie ist potenziell lebensbedrohlich. Patienten, die sich einem größeren orthopädischen Eingriff unterziehen, haben ein hohes VTE-Risiko, denn während der Implantation einer Hüftgelenk- oder Kniegelenk-Prothese können die großen Beinvenen geschädigt werden, die das Blut zum Herzen zurücktransportieren, und die Gerinnung wird aktiviert. Das Risiko einer tiefen Venenthrombose steigt somit nach der Operation stark an. Bei 40-60 Prozent aller Patienten, bei denen keine präventiven Maßnahmen ergriffen werden, bildet sich nach einem größeren orthopädischen Eingriff ein Blutgerinnsel. In den fünf größten EU-Mitgliedsländern werden jährlich rund 450.000 Hüft- und 300.000 Kniegelenkersatzoperationen durchgeführt. In der EU sind jedes Jahr mehr als 1,5 Millionen Patienten von Blutgerinnseln betroffen, 544.000 von ihnen sterben daran.
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